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15.12.2021

Was vom Glasgow-Klimagipfel in Mainfranken ankommt - ein Interview


Vom 31. Oktober bis 12. November 2021 fand die COP 26 der Vereinten Nationen im schottischen Glasgow statt. Rund 200 Staaten und ca. 25.000 Personen nahmen an der Konferenz teil, um über die weiteren Maßnahmen zur Reduzierung der Erderwärmung und zur Erreichung des 1,5°C Ziels von Paris zu debattieren.

Dr. Stefan Müssig als Vorstand des Förderkreises Umweltschutz Unterfranken (FUU e.V.) und Geschäftsführer der WUQM Consulting wurde von der Mainpost zu den Ergebnissen der COP 26 interviewt und gefragt, was auf die mainfränkische Wirtschaft zukommt.

Stefan Müssig: Ich glaube nicht, dass Glasgow für die Unternehmen schon konkrete Auswirkungen haben wird. Die Unternehmen müssen vielmehr wissen, was die EU vorhat. Denn die EU-Kommission ist die eigentliche Taktgeberin. Da ist zum Beispiel das Paket " Fit for 55" mit der Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030.

Die Unternehmen sollten auf jeden Fall darauf achten, was in Brüssel an Richtlinien beschlossen wird. Denn eine EU-Richtlinie wird nach zwei Jahren deutsches Recht. Wenn ein Unternehmen das nicht weiß, könnte es in ein schwieriges Fahrwasser geraten.

"Gefühlt sind es 25% aller Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen und versuchen, sich da neu auszurichten."

Es gibt Unternehmen, die schon sehr weit denken und bei denen man das Gefühl hat: das wird gemanagt. Ich spreche hier von Umweltmanagementsystemen wie die ISO 14001, EMAS oder das Nachhaltigkeitssystem EMASplus. Damit dringt dieses Thema in alle Prozesse des Unternehmens ein. Alle Geschäftsprozesse sollen durchleutet werden mit Fragen: Welche sozialen und ökologischen Auswirkungen hat mein Geschäftsmodell? Das nennt man Umfeld- und Stakeholder-Analyse. Wer das nicht hat, macht nichts Durchdachtes.

In Deutschland gibt es 3,3 Millionen Unternehmen jeglicher Art. Man weiß, dass ungefähr 10.000 von ihnen zum Beispiel eine Umweltmanagement-Zertifizierung besitzen. Das gilt umgerechnet auch für Mainfranken.

Nochmal zur Weltklimakonferenz in Glasgow. Kritiker bezeichnen sie als Flop. Wie sehen Sie das?

Müssig: Ich sehe es nicht ganz so massiv als Flop. Es gab ja immerhin von vielen Staaten das Bekenntnis, aus der fossilen Energie auszusteigen. Das ist als sehr positiv zu bewerten. Was im Hintergrund auch ganz gut lief, ist, dass man Regeln gefunden hat für die Treibhausgasbilanzierung und -berechnung. Dieses Regelwerk gab es in Paris noch nicht. Es bedeutet zum Beispiel, dass wenn ein Staat ein CO2-Zertifikat an einen anderen Staat verkauft, dass das nicht doppelt gezählt wird. Was mich nicht euphorisch stimmt, ist, dass es weiterhin noch keine festen Zusagen gibt, die Klimaneutralität deutlich vor 2050 zu erreichen. Da hätte ich mir eine schnellere Taktung gewünscht. Da sind einige Staaten wie China hinter den Zielfristen noch weit zurück.

Der gesamte Arikel kann hier heruntergeladen werden: Main Post Was bleibt von COP26.