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16.12.2020

13. Deutscher Nachhaltigkeitspreis - Mit Transformation aus der Krise.


Am Abend des 4. Dezember 2020 wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung der 13. Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) verliehen. Prämiert wurden Akteure aus der Wirtschaft, aus der Forschung, Städte und Gemeinden sowie Architekturprojekte, die wirksame Beiträge zur Transformation leisten und sich gegen Erderwärmung, Ressourcenübernutzung, Artensterben und gesellschaftliche Spaltung einsetzen. Ebenso wurden globale Partnerschaften aus der Textilbranche und vorbildliche kommunale Entwicklungszusammenarbeiten prämiert.

Die Preisträger

Den diesjährigen Ehrenpreis bekamen die Forscher Prof. Ugur Sahin und Dr. Özlem Türeci für die Entwicklung des Corona-Impfstoffes. Der Musiker Sir Elton John wurde für sein umfangreiches soziales und humanitäres Engagement ausgezeichnet. Als Gründer der Elton John AIDS Foundation zählt er zu den wichtigsten philanthropischen Geldgebern von HIV/AIDS-Zuwendungen.

„Der DNP will mehr denn je eine Plattform für die besten Konzepte sein, die Krisen verhindern, bewältigen und unsere gemeinsame Zukunft sichern“, sagte Stefan Schulze-Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Das gesamte Programm fand virtuell statt und wurde über die Plattform https://www.nachhaltigkeitspreis.de/ übertragen. Dort finden Sie auch alle weiteren Preisträger und Videos der Veranstaltung.

Spannende Vorträge zur Transformation

Rund um die Preisverleihung am Abend des 4. Dezember fanden bereits am Vortag zahlreiche Vorträge, Workshops und Interviews zu Themen der Transformation virtuell statt. Den Auftakt machte die Innovationsforscherin Prof. Maja Göpel, die mit zahlreichen Fragen zur Gestaltung der Transformation das Publikum zum kritischen Nachdenken über eine gemeinsame Zukunft anregte "Wer wollen wir sein? Wer ist das WIR? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie soll es dort aussehen?" und in dem Prozess "Wer wollen wir gewesen sein?". Als eines der reichsten Länder der Erde müssen wir uns die Frage stellen, ob wir es schaffen werden genug zu teilen. Warum sollen einige mehr abbekommen als andere. Sollten nicht gerade wir Deutschen es schaffen nachhaltige Produkte zu kaufen.

Einen ebenso spannenden Vortrag hielt der mit einem Ehrenpreis ausgezeichnete US-Zukunftsforscher und Visionär Jeremy Rifkin, der die Menschheit als „endangerous species“ bezeichnete die jetzt selbst durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht sei und schließlich begreifen müsse, dass es weltweit politischen Willen braucht, um eine Transformation voranzubringen.

Diskussion um das Lieferkettengesetz

Bei der Diskussion über das geplante Lieferkettengesetz der Bundesregierung vertrat der Deutsche Markenverband die Auffassung, dass deutsche Unternehmen dafür haftbar gemacht werden sollten, wenn sie keine Verantwortung in der Lieferkette übernehmen. Allerdings gibt es immer noch zwei Streitpunkte: 1. Die Frage der Haftung und 2. Für welche Unternehmen soll das Gesetz gelten bzw. soll es Ausnahmen geben. Über 70 Unternehmen haben sich schon dazu bekannt und stehen dem sogar positiv gegenüber, darunter der Bundesverband der grünen Wirtschaft UnternehmensGrün e.V..

Das neue Gesetz schafft langfristig unternehmerische Erfolge, denn Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen sollen nicht länger benachteiligt werden, gegenüber Unternehmen, die sich nicht um ihre Lieferkette kümmern. „Freiwillig reicht nicht, das ist bewiesen“, sagte Cornelia Heydenreich von Germanwatch. Der BDI, vertreten durch Anne Lauenroth, zweifelt noch an der europäischen Lösung, im Idealfall sollte es ein internationales Gesetz oder eine Internationale Norm geben, um Wettbewerbsverzerrung zu verhindern.

Aber auch die Frage der Haftung für Dritte innerhalb der Lieferkette sei für den Mittelstand ein Risiko, befürchtet der BDI. Deswegen sollte die Haftung nur bis zum System-Lieferanten (First Tier) herunter gebrochen werden. Unternehmen könnten sich zurückziehen, wenn sie für ihren Third Tier Supplier (Rohstoff- und Materiallieferant) haftbar gemacht werden könnten. Ein Praxistest sollte gemacht werden, um die Haftungsrisiken zu erproben. Unternehmen haben unterschiedliche Voraussetzungen und unterschiedliche Betroffenheiten, es sollte gefordert werden was realistisch und machbar ist, so Frau Lauenroth vom BDI.

In der Praxis umsetzbar

Ein Praxisbeispiel der Firma Symrise, ein Hersteller von Duft- und Geschmackstoffen aus Holzminden mit über 1.000 Lieferanten weltweit, zeigte auf, dass es machbar ist ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement umzusetzen. Bereits 2017 wurde eine Nachhaltige Beschaffungsstrategie formuliert, die eine Rückverfolgbarkeit der Waren gewährleisten soll. Somit fordert Symrise von seinen Rohstofflieferanten genaue Angaben über u.a. Anbau- und Herkunftsland, Grundlagen und Verfahren der Produktion, Arbeits- und Geschäftspraktiken (im Unternehmen sowie der etwaigen Zulieferer), Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement der Belegschaft und gültige Nachhaltigkeitszertifizierungen. Für wichtige natürliche Rohstoffe hat Symrise Flavour eine Nachhaltigkeitsbewertung der Sustainable Agriculture Initiative (SAI Platform) eingeführt. Damit soll eine nachhaltige Landwirtschaft in der erweiterten Supply Chain gefördert werden. Es bleibt also spannend was genau das neue Lieferkettengesetz fordern wird und welche Unternehmen am stärksten betroffen sein werden.